Ab dem 01.06. sollen die Spinde und Planschränke entsorgt werden. Im Café A liegt eine Unterschriftenliste aus, die sich gegen das Vorhaben wendet.
Man hätte es anfangs noch für einen schlechten Scherz halten können, doch der geschäftsführende Direktor des Instituts für Architektur (IfA) Prof. Cramer scheint Ernst zu machen und den Beschluss des Institutsrates des IfA kurzfristig durchsetzen zu wollen. Seit ein paar Tagen hängen an einigen Spinden wenig freundlich, aber dafür umso rigoroser formulierte “Zettelchen”, die die Nutzer darauf hinweisen sollen, dass die Schränke “ab dem 01. Juni 2009 einschließlich der Inhalte ersatzlos entsorgt” werden. Den Nutzern wird lediglich eingeräumt, Schränke in Absprache mit den Fachgebieten in die Arbeitsräume umzustellen.
Die rabiate Aufforderung kommt zunächst grundlos daher. Der Institutsrat hatte Ende April gegen den Willen der studentischen Vertreter (6 gegen 2 Stimmen bei 4 Enthaltungen) beschlossen das Mobiliar aus den Hallen und Fluren des 2. Geschosses ersatzlos zu entfernen. Die Gründe dafür sind recht einseitig und erscheinen ziemlich willkürlich. Urplötzlich sollen Stahlschränke in den Fluren Brandlasten darstellen und urplötzlich wird das vermeintlich ungeordnete Erscheinungsbild bemängelt. Prof. Cramer sprach nicht mehr von Spinden sondern wortwörtlich von “Sperrmüll”. In Zeiten von vielen ungelösten ernsthafteren Problemen am IfA (Auslaugung der Studierenden durch überhöhte Leistungsanforderungen, zu strikte BA-/MA-StuPOs mit zu wenig eigenen Gestaltungsmöglichkeiten für Studierende, Grundausrichtung des Instituts, Raumprobleme/Platzmangel, Öffentlichkeitsarbeit …) scheint die Flucht in Ästhetikfragen eine willkommene Ablenkung von der Unfähigkeit der Hochschullehrer zu sein, die wirklich wichtigen Probleme zu lösen.
Dass Studierende jedoch Möglichkeiten benötigen, um ihre Werkzeuge und Arbeitsmaterialien sicher zu lagern, interessierte die Law&Order-Befürworter wenig. Statt die Studienbedingungen zu verbessern, wird hier radikal verschlechtert und gekürzt. Die aus Mangel an Angeboten seitens des Instituts (das IfA hat ja keine Ressourcen …) entstandene studentische Eigeninitiative Schränke aufzustellen, wird hier grundlos zunichte gemacht. Warum hier so hart durchgegriffen wird ohne in Gesprächen nach Kompromissen zu suchen, bleibt den Studierenden leider völlig unverständlich.
Wann hört man endlich auf, den Studierenden unnötig Steine in den Weg zu legen und fängt an gemeinsam die Probleme der aktuellen Bildungssituation anzugehen?
Empörte Studierende haben im Café A eine Unterschriftenliste ausgelegt, mit der versucht werden soll, einen Kompromissvorschlag zu durchzusetzen.
