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Bildungsproteste

Was hat es mit den Streikandrohungen bzw. Protestwochen auf sich? Der Artikel liefert Informationen und setzt an die Hintergründe aufzuklären. Außerdem liefert er Vorschläge wie man sich einbringen kann um die Diskussionen über unsere Bildung und Universität so bunt und vielfältig wie möglich zu machen.

bundesweiter bildungsstreik 2009

163 Millionen Euro.
Soviel wird den Berliner Unis allein zur Erhaltung des Status Quo (auf Grund von gestiegenen Betriebskosten, zu erwartenden steigenden Personalkosten, fehlender Finanzierung, etc.) im nächsten Jahr fehlen, wenn die Vertragsverhandlungen zwischen den Präsidenten und dem Berliner Senat auf dem aktuellen Stand verharren. Das würde für uns bereits im nächsten Semester eine Nullrunde bedeuten, in der keine Stellen neu besetzt werden, was insbesondere die häufig neu zu besetzenden, da befristeten, Stellen der Tutoren und WiMis treffen würde. Außerdem würden bei einem ausbleiben der Finanzierung bis zu 15.000 Studienplätze wegfallen, ganze Institute und Fachbereiche gestrichen, was seinerseits bei den Leistungs- bzw. Absolventenorientierten Zuschüssen wiederum zu weniger Förderung führen würde.

Natürlich wollen wir das Geld nicht auf Kosten anderer kommunaler Einrichtungen einfordern, aber ein grundsätzliches Umdenken der Verantwortlichen wird nötig sein um nicht schon bald die Bildung, die von eben diesen Menschen als das wichtigste Gut bezeichnet wird, gänzlich untergehen zu lassen.

Als zu Beginn des Frühjahrs die Banken und andere Großunternehmen teilweise selbstverschuldet in die Krise schlitterten, war plötzlich das Geld da, das uns jahrelang verwehrt wurde. Gleichzeitig schwebt weiterhin das Damoklesschwert der Studiengebühren über uns oder zumindest unseren Nachfolgern. Auch wenn der jetzige kleine Koalitionspartner in Berlin im Koalitionsvertrag festgeschrieben hat, dass in dieser Legislaturperiode keine Gebühren erhoben werden ist die Entwicklung im Rest Deutschlands nur allzu deutlich. Dabei werden die Studiengebühren oft nicht zur Verbesserung der Lehre und zur Anschaffung neuer Materialien verwendet, sondern genutzt um die fehlenden Leistungen der jeweiligen Bundesländer auszugleichen, werden also zweckentfremdet und führen somit nicht zwangsläufig in den erhofften Wohlstand und können die maroden Strukturen, wie kürzlich an der Heidelberger PH geschehen, nicht über den bankrott hinwegretten.

Auch wenn gerade jetzt durch die Folgen der Finanzkrise und die hohe Verschuldung des Landes Berlin weitere enorme Probleme in unserer Bildungslandschaft auftauchen werden, so sind die Wurzeln der Probleme, mit denen sich jeder von uns Beschäftigen muss, schon lange vorhanden.

In Folge des Bologna-Prozesses, nach dem an den europäischen Hochschulen das vermeintlich sparsamere Modell des Bachelor- und Master-Systems unter dem Deckmantel der Internationalität eingeführt wurde leiden nicht nur die Studenten an unserer Fakultät unter mangelnden Ressourcen, enormer Arbeitsbelastung und der extremen Verschulung des Studiums und somit mangelnder Wahlmöglichkeit und Möglichkeiten der Verfolgung eigener Interessen.
Außerdem ist immer noch nicht jedem, der bei uns ein Bachelor-Abschluss erreicht hat ein Platz für das Master-Studium zugesichert, obwohl bereits Professoren unseres Instituts attestier haben, dass die jetzige Ausbildung unzureichend ist und das Bachelor-Studium der Architektur nicht qualifiziert ist um eine vollwertige Arbeitskraft hervor zu bringen.
Da dieses System zudem völlig überhastet eingeführt wurde, fehlt es an ausgereiften Lehrplänen und Mechanismen die es real studierbar machen, wie man erst kürzlich bei einer großen Anzahl von Bachelorstudenten feststellen konnte, welche die TWL-Klausur nicht bestanden und infolge dessen zunächst nicht ihr Nachfolgemodul belegen konnten, was zu einer erheblichen Verlängerung der Studienzeit geführt hätte/hat.
Auch wenn dieses Problem kurzfristig für einige halbwegs gelöst werden konnte, so ist es dennoch keine dauerhafte Lösung und wird in Zukunft das Leben vieler weiterer Generationen erschweren, wenn wir nicht auf unsere Verlangen nach mehr Selbstorganisation bestehen.

Während es in anderen Ländern Europas, wie Frankreich und Italien schon seit längerer Zeit starke Proteste gegen die Einsparungen im Bildungssystem gibt ist es in Deutschland bisher relativ ruhig geblieben. Das soll nun geändert werden!

Vom 15. bis zum 19. Juni 2009 findet daher eine bundesweite Protestwoche statt an der sich Schüler, Lehrer, Studenten, Beschäftigte, Gewerkschaften und viele weitere Betroffene oder solidarische Gruppen beteiligen um für ein Recht auf eine bessere Bildung zu kämpfen. In dieser Woche wird es verschiedene Aktionen von kleinen Diskussionsrunden über „Banküberfälle“ bis hin zu Soli-Parties geben.
Insbesondere wird es am 17. Juni 2009 in Berlin eine Großdemo geben um unsere Bedürfnisse einzufordern und unserer Unzufriedenheit Gehör zu verschaffen.

Beteiligt euch! Das geht sowohl bei bereits bestehenden Gruppen und geplanten Aktionen als natürlich auch indem ihr eure eigenen Bezugsgruppen bilden und kreative Beiträge leistet. Ihr könnt helfen indem ihr für die anstehende Demo mobilisiert, in Vorlesungen und Seminaren auf die Missstände und die kommenden Proteste aufmerksam macht und darüber diskutiert, euch mit anderen Gruppen und Instituten vernetzt und eure Kommilitonen (auch die der anderen Fachrichtungen) informiert. Trefft terminliche Absprachen mit den Dozenten, damit ihr auf die Demo gehen könnt und/oder geht geschlossen mit ihnen dorthin.

Ihr könnt hier auf dem Blog, bei unseren wöchentlichen Treffen der Studierendenvertretung der Architektur, per mail oder einfach im CafeA nach Kontakt zu anderen suchen, die Lust haben etwas zu unternehmen.

Unter anderem findet am 10. Juni im Foyer des Architekturgebäudes, eine kleine Versammlung statt, wo wir gemeinsam Aktionen planen werden, hören was andere machen und über herrschende Missstände diskutieren können. Weitere Gelegenheiten zur Vernetzung und zum feiern wird es bereits heute, am Donnerstag, den 04. Juni, geben, denn dann findet ab 16:00 Uhr das 3. TU-INI-Sommerfest statt. Hier könnt ihr bestehende Gruppen treffen, der Podiumsdisskussion lauschen und euch einbringen und zu den Bands/Künstlern Lines’n’Notes, Stereotapes, Gauner, und Hans der Kleingärtner tanzen.

Außerdem wird es am 10. Juni eine weitere studentische Vollversammlung im Raum H0110 geben auf der Infos zum aktuellen Stand der Hochschulverträge und der Protestkoordination erfolgen werden.

 

Solidarität mit allen SchülerInnen, Beschäftigten und allen anderen Betroffenen!

 

Laut. Bunt. Kreativ. Beteiligt euch! Für die Zukunft unseres Studiums.

 

Weitere Infos:

 

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