Die Lehrenden denken nur an ihre jeweils eigenen Interessen. Ausbaden dürfen diese Situation wieder einmal die Studierenden, die ab dem nächsten Wintersemester nach einem nicht studierbaren Studienverlaufsplan lernen sollen. Die ohnehin schon enorme Arbeitsbelastung soll ins Unermessliche steigen.
Nicht zuletzt mit dem Argument in Sachen Prüfungssituation Tragwerkslehre (TWL) eine Verbesserung zu erreichen, wurde nun beschlossen, die Fächerreihenfolge im Studienverlauf für die zukünftigen Studierenden zu verändern. Dabei spielten letztendlich viele vermeintlich fachlich-inhaltlichen Fragen eine Rolle. Z.B. wurden Tragwerkslehre, CAD und Modul 3.1.1 ins erste Studienjahr vorgezogen. Dadurch entsteht die Situation, dass die Studierenden im ersten Semester übermäßig belastet werden. Statt 29 LP sind hier nun regulär 32 LP vorgesehen. Die rechnerische Wochenarbeitszeit steigt von 38 auf 42 Stunden. Besonders im ersten Semester, in dem neue Studierende oftmals zusätzlich Zeit benötigen, um sich an der Uni und im Studienfach zu orientieren, stellt dies aus unserer Sicht eine unzumutbare Belastung dar.
ursprünglich abgestimmter Vorschlag: Bachelor-Studienverlaufsplan Kompromiss (PDF)
beschlossener Alleingang trotz Warnung: Bachelor-Verlaufsplan ab WiSe 2010/11 (PDF)
Dass vor allem die Entwurfsfachgebiete des zweiten Studienjahres auf diese Lösung drängten, lässt sich leicht durchschauen. Haben sie nun doch etwas “Luft” im dritten und vierten Semester bekommen, in der sie den Studierenden nun zusätzlich Arbeit aufhalsen können. Das Argument “Verlegung wegen TWL” musste hier also für die Durchsetzung von Interessen einzelner Fachgebiete herhalten.
Technik und Verwaltung regieren die Welt (und das Architektur-Studium)
Die Studierendenvertreter warnten zuvor vor dieser Mehrbelastung und es konnte ein Kompromissvorschlag erreicht werden, der die Arbeitsbelastung gleichmäßiger auf alle Semester verteilen sollte. Dazu stimmten die Studierenden schweren Herzens zu, das Modul 3.1.1 auf drei Semester zu Strecken. Nur so hätte sich die Mehrbelastung im ersten Semester noch verhindern können.
Doch diesem Vorschlag machten die Verwaltung bzw. das Referat für Studium und Lehre und das allseits geliebte QISPOS-System einen Strich durch die Rechnung. Statt eine technische Lösung in QISPOS zu finden oder das System auszusetzen, wurde ohne nochmalige Rücksprache einfach der Studienverlaufsplan mit 32 LP im ersten Semester beschlossen. Dass sich das Referat für Studium und Lehre und die Studiendekane hierüber nicht vorab mit den Studierendenvertretern abgestimmt haben, zeigt erneut deutlich, wie egal den Lehrenden die Situation der Studierenden ist.
Wieder einmal wurde ein undurchdachter Vorschlag kompromisslos durchgesetzt. Ausbaden dürfen diese Situation am Ende wieder einmal die Studierenden.
Bachelor grundlegend neu denken
Mit der “ganz großen Reform” möchte das Institut – verständlicherweise – warten bis die vakanten Professuren im ersten und zweiten Studienjahr sowie im Städtebau wieder besetzt sind. Warum allerdings nicht an der Lösung der gröbsten Probleme und drängendsten Missstände gearbeitet wird, bleibt unverständlich. So muss z.B. das Modul 3.1.1 endlich in kleinere Teile aufgesplittet werden, die Prüfungsbelastung muss insgesamt sinken, Anwesenheits- und Hausaufgabenpflichten müssen fallen und Verknüpfungen und Zugangsvoraussetzungen von Modulen müssen realistisch und sinnvoll ausgestaltet werden. Die Lehrinhalte der verschiedenen Fächer müssen besser aufeinander abgestimmt werden und sich idealerweise aufeinander beziehen.
Empfehlung
Der neue Studienverlaufsplan gilt natürlich nur für die neuen Studierenden ab dem kommenden Wintersemester 2010/11. Generell stellt er sowieso nur eine “Empfehlung” dar, wie das Studium am besten gestaltet werden kann, um es in der Regelstudienzeit von sechs Semestern zu absolvieren. Leider zieht es diese Empfehlung nach sich, dass sich Beginn und Zeitraum der Module nach diesem Verlaufsplan ausrichten. Das heißt, z.B. ein Modul, dass im Wintersemester startet, kann nicht erst im Sommersemester begonnen werden, sondern erst wieder im darauffolgenden Wintersemester. Das eigenmächtige Verteilen von Modul-Teilveranstaltungen auf mehr Semester als vorgesehen ist nicht möglich. Insofern legt der Studienverlaufsplan ein recht enges Korsett an das Bachelor-Studium.
Bis die Verantwortlichen in Institut und Fakultät endlich zur Vernunft kommen, kann nur geraten werden: Informiert euch selbstständig über alles für euer Studium relevante, lest eure StuPO und stellt euch dennoch euren eigenen, schaffbaren Studienverlaufsplan zusammen.
